Meine persönliche Achtsamkeitsreise
2017 war das Jahr, in dem eine meiner chronischen Erkrankungen ihren bisherigen Höhepunkt hatte. Ich konnte kaum noch das Haus verlassen und war kurz davor Bluttransfusionen zu bekommen. Kortison hatte meinen Körper ausgelaugt und wirkte schon längst nicht mehr. Die deutsche Kassenmedizin hatte mir nichts anzubieten, also floh ich nach Wien, wo ich einen privaten Facharzt hatte, der mir nahelegte, für eine bessere medizinische Versorgung herzuziehen.
Mit Hilfe meines wunderbaren Netzwerks habe ich diesen lebensverändernden Umzug gemacht und die entsprechende medizinische Versorgung bekommen, die mein Leben entlastet hat.
Dass es aufgrund der beginnenden Perimonopause mit unbehandelter ADHS nochmal richtig übel werden wurde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Nach ich mich viele Stunden und Tagen mit meiner buddhistischen Nachbarin und Freundin Brigitte über Buddhismus, Meditation und die faszinierende Schnittstelle zu hypnosystemischen Ansätzen unterhalten hatte, war ich bereit, es auszuprobieren. Wie so viele Menschen vor mir – „wenn alles auseinanderfällt“.
Meine erste Meditationsanweisung habe ich von meiner buddhistische Nachbarin und Freundin bekommen. Atem-Meditation oder auch Shamatha (Ruhiges Verweilen) genannt. Sie hat damals einleitend gesagt: Und Freundlichkeit gegenüber dir selbst ist das wichtigste bei egal welcher Praxis.
Damals dachte ich, ja gut, ok meinetwegen; lass uns endlich anfangen. -D
Heute ist Selbstmitgefühl und Selbstfreundlichkeit der universale Pfeiler meiner Praxis und begleitet auch die Pacing Praxis, mit der ich mittlerweile durch mein Leben mit chronischen multisystemischen Erkrankungen navigiere.
2019: Achtsame Kommunikation
2019 stubste mich meine liebe buddhistische Freundin zu einer Fortbildung mit Susan Gilis Chapman, Autorin des Buches "Die 5 Schlüssel zu achtsamer Kommunikation".
Was für ein Glücksgriff. Ein Konzept zu erlernen, das mein Verständnis davon, wie wir Menschen uns öffnen, zumachen und den Übergang zwischen beiden hat mein Wissen aus Kommunikations- und Traumapsychologie signifikant erweitert.
Ich habe dann die Greenzone Leader und Mindful Communication Teacher Fortbildung gemacht und vor allem in der Zeit von Corona eine Community gehabt, mit der ich im Rahmen der Greenzone Sessions Halt und Orientierung mit unverarbeitetem Trauma erlebt, für die ich bis heute dankbar bin.
Deep Listening in einer Gruppe hat mir mehr gegeben, als alle Psychotherapien davor. Denn in diesen sogenannten Greenzones passierte etwas, was der Grundpfeiler aller Heilungsprozesse ist aus meiner Sicht: Leid und Freude anerkennen, würdigen und achtsam halten ohne Lösungsversuche, Relativierung oä. Gehört, gesehen und respektiert werden.
Wann hat dir schonmal eine kleine Gruppe das Geschenk von Deep Listening gemacht, in der du 10 Minuten hattest, um zu teilen, was geteilt werden wollte? Allein diese Erfahrung war transformierend für mich. Und auch den anderen in der Gruppe dieses Geschenk zu machen ist eine tiefgreifende Erfahrung. Ich freue mich schon darauf, die ersten Deep Listening Spaces anzubieten, wie ich sie nenne.
2021: Ausbildung Zur Meditationslehrerin
Nachdem ich die Schätze achtsamer Kommunikation weitergeben wollte, fehlte mir eine wichtige Grundlage: Meditationspraxis lehren.
Mit dem MMTCP (Mindfulness Meditation Teacher Cerification Program mit Jack Kornfield und Tara Brach) habe ich zwei Jahre lang eine Tiefe und Breite für meine eigene Praxis als auch eine profunde Ausbildung als Meditationslehrerin bekommen inklusive eines 1,5 Jahre Racial Awareness Programms nach dem Affinity Konzept (Gruppen für weiße Menschen, für Schwarze/PoC und Third Option), in dem ich meine eigene rassistische Konditionierung als weiße Deutsche reflektieren konnte und wie ich mich als Meditationslehrerin verorte und verhalte und eine Verbündete sein kann für Identitätsaspekte, in denen ich nicht selbst betroffen bin. Meine eigene Marginalisierung als chronisch kranke Autistin mit ADHS war diesbezüglich sehr hilfreich.
Grundsätzlich habe ich in den Achtsamkeitsausbildungen also vor allem meine strukturelle Perspektive geschärft; meine Bewußtsein zu struktureller Gewalt und systemischem Trauma und damit auch der Frage, wie ich Menschen helfen kann, Scham abzulegen.
Denn wie es Pellicot so episch formuliert hat: Die Scham muss die Seiten wechseln.
Das gilt nicht nur für patriarchale Gewalt. Das gilt auch für kapitalistische Gewalt: Ableismus, Verwertungslogik, toxische Leistungsforderungen etc. Und selbst einigermaßen privilegierte Menschen dürfen Scham ablegen; Scham in Form von fundamentalen Selbstzweifeln, dysfunktionaler Leistungskonditionierung und mehr.
Wichtig ist auch das Fazit, was sich aus diesen Betrachtungen ergibt:
Die Achtsamkeitspraxis, die ich anbiete, soll nicht bei uns einzelnen stehenbleiben. Einerseits können wir sie dafür benutzen, in einem toxischen System zu überleben, andererseits kann das nicht alles gewesen sein. Wenn wir gestärkt sind, gilt es, solidarisch für ein besseres Leben für alle einzustehen. Damit niemand mehr Angst um Leib und Leben haben muss.
Säkularität & Anerkennung buddhistischer Wurzeln
Ich verstehe sehr gut die Abneigung vieler in Richtung eines diffusen Spiritualitätsbegriffs. Gleichzeitig möchte ich die kulturelle Aneignung bedeutender Weltanschauungen und Praktiken aus dem globalen Süden wie sie z.B. in Bezug auf Yoga besonders extrem ist als weiße Person nicht fortführen. Ich lehre Vipassana Praxis und möchte mich bei aller Säkularität vor meinen buddhistischen Lehrer*innen verneigen und meine Demut und Dankbarkeit ausdrücken für die Praxis, die ich lebe und mit anderen teilen darf.
2024: Meine Reise als Meditationslehrerin
Mit meinem Abschluss der Meditationslehrerin Ausbildung habe ich meine ersten Kurse angeboten (Grundlagen der Achtsamkeitspraxis und auch ein erstes Special für Autist*innen) und möchte nun mein Angebot mehr Menschen zugänglich machen.
Die Kurse für Privatpersonen sind darauf angelegt, möglichst vielen Menschen einen Zugang zu ermöglichen. Ihr werdet also vergeblich auf Einladungen a la "Freue dich auf 2 Tage in Schloß Dingsbums in der schönen Schweiz für nur 2000 € plus Übernachtung und Verpflegung!" warten.
Damit unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten berücksichtigt werden können, gestalte ich die Kurspreise mit einer Skalierung: Sponsoring-, Standard- und Solidarpreis,
Die Kurse für Institutionen und Unternehmen sind dementsprechend teurer. So kann ich zum einen klassenbewußten Zugang schaffen, zum anderen nachhaltig für mich selbst wirtschaften.
Ich freue mich auf alle, die diese Strategie feiern und unterstützen, so dass wir alle mehr und mehr Verbündete füreinander sein können.





